Unilever Headquarters, London, Großbritannien

unilever headquarters

Mitten im Herzen Londons gelegen, mit freiem Blick auf die Blackfriars Bridge und die Themse, entstand die neue Konzernzentrale von Unilever, dem drittgrößten Hersteller von Nahrungsmitteln weltweit. Das Londoner Architekturbüro Kohn Pedersen Fox Associates verstand es im Victoria Embankment eine behutsame Balance zwischen historischer Architektur und moderner Fassadentechnik aufzubauen. Der kompletten Entkernung eines bestehenden Gebäudes folgte ein großzügiger Innenausbau mit durchgängigem Atrium. Über Dachverglasungen sowie die vollflächig verglaste Westfassade durchflutet die Sonne das Atrium mit Tageslicht.

  • Nahtlos ineinanderfließende Formen und eine Architektur der Linie bestimmen den Entwurf von Kohn Pederson. Oben und unten an den Geschossdecken eingespannt sitzen die Scheiben der Atriumverglasung eng nebeneinander, oben gleitend gelagert, um Bewegungen der Geschossdecken aufnehmen zu können. Über die eng gesetzten, kaum wahrnehmbaren Vertikalfugen verbinden sie sich zu einem nahtlos mäandrierenden Glasband. Die Betonung der horizontal angelegten Architektur wird verstärkt durch die wie aus einem Guss ineinandergreifenden Brüstungsverkleidungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Dieser Dialog zwischen Transparenz und Körperhaftigkeit setzt sich in der Dachfläche fort – die horizontale Linienführung löst sich auf in ein aus Dreiecken zusammengesetztes, mit GFK-Halbschalen verkleidetes Stahltragwerk, über dem die Lichtkuppeln zu einem scheinbar einheitlichen Glasdach verschmelzen. Diese sinnliche Architektur der durchgehenden Form konnte erst durch die Verwendung der GFK-Technik in dieser Perfektion verwirklicht werden. Glasfaserkonstruktionen sind die konsequente Antwort auf die heutige, CAD-geprägte Architektur der freien Form. Die im Rechenprogramm aus polygonalen Zügen aufgebauten Freiformen werden über CNC-Fräsen in weich gerundete Negativschalen umgesetzt und ermöglichen so den Bau von dreidimensional geformten Schalen, wie sie in dieser Perfektion aus Metallblechen nicht gefertigt werden könnten.

    Auch die gebäudehoch voll verglaste Westfassade zeichnet sich durch eine enorme Transparenz aus. Knapp 1.000qm setzen sich fast nahtlos zu einem gläsernen Schild zusammen, nur durch wenige waagrecht sitzende Edelstahlverblendungen in der Horizontalen rhythmisiert. Möglich wurde diese „Entmaterialisierung“ durch die gezielte Verwendung von Glas als statisch wirkendem Element. Die vertikale Lastabtragung der Scheiben erfolgt über hinter die Fugen gesetzte Zugstäbe, kraftschlüssig über Metallschuhe mit den Fassadenriegeln verbunden. Waagrecht liegende Schwerter aus Verbundglas steifen die Fassade gegen Windlasten aus und ermöglichen so deren schlanken Querschnitt. Jeder Knoten ist zusätzlich durch Zug-/Druckstäbe an die dahinter liegende Geschossdecke angebunden, um die Auslenkung der Fassade zu minimieren. Die aussteifenden Schwerter bestehen aus einem Dreischichtglas, mit einer einlaminierten Spezial-Farbfolie, die je nach Blickwinkel ihren Farbwert ändert. Dem technoiden Charakter der Glasfassade wird so das gestalterische Element der Farbe entgegengesetzt – ob man durch- oder hinschaut, die Fassade lebt vom Reiz der Reduktion und dem sich ständig ändernden Farbspiel der aussteifenden Glasschwerter.

6.800qm Fassadenfläche

Bauherr Unilever plc
Architekt KPF — Kohn Pedersen Fox Associates
Ingenieur Ove Arup & Partners / EPP
Fertigstellung 2007
Leistung von seele
  • Innenausbau mit Atrium, 2.290qm, mit Brüstungsverkleidungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK)
  • 973qm verglaste Dachfläche, mit GFK-Halbschalen verkleidet
  • Vollständig verglaste Westfassade, 1.000qm

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